Musik illustriert: Klangskizzen – Farbenklang

Sie kennen «Bilder einer Ausstellung» von Modest Mussorgsky?

Der Komponist hat Galeriebilder mit Melodien, Rhythmen, Harmonien zu musikalischem Leben erweckt. Im neuen Projekt des Vokalensemble Dilettanti wird diese Idee aufgenommen – allerdings umgekehrt. Die Illustratorin Patricia Keller lässt sich während des Konzertes von faszinierenden Werken inspirieren:

Jake Runestad, John Rutter, Steve Dobrogosz

Zu Beginn des Konzertes – gleichsam als Ouverture – durften die Konzertbesucher die Illustratorin bei der Arbeit beobachten. Dann wurde der Vorhang gezogen – sie verschwand mit den ersten Klängen und liess ihre Kunst ungestört, unsichtbar, aber natürlich im Banne des Klanges wachsen. In unregelmässigen Abständen bot sich dem Publikum die Gelegenheit, die Entwicklung und die Veränderung der Kunst wahrzunehmen.

 

Pressebericht:

Klangskizzen – Farbenklang: Das Vokalensemble Dilettanti zusammen mit der Sinfonietta Vorarlberg und der Illustratorin Patricia Keller in der Kath. Kirche Jona

Geleitet vom Dirigenten Max Aeberli präsentierte am vergangenen Sonntag das Vokalensemble Dilettanti zusammen mit Claudia Dischl (Klavier / Cembalo), Caroline Morger (Querflöte), dem Streichquintett der Sinfonietta Vorarlberg und der Illustratorin Patricia Keller ein Klang- und Farb-Divertimento auf höchstem Niveau.

Für einmal standen dabei nicht nur vokale und orchestrale Musik zeitgenössischer Komponisten im Fokus, sondern auch deren bildliche Umsetzung: Die Illustratorin Patricia Keller entwickelte dazu – teils verdeckt und nur in Intervallen sichtbar, dann wieder permanent im Entstehungsprozess ablesbar – eine Bildabfolge, welche ihre Musikwahrnehmung zeichnerisch sichtbar machte.

Bereits die ersten Sequenzen von Steve Dobrogsz‘ (* 1956) «Mass» für Chor, Piano und Streicher (komponiert 1992) machten deutlich, auch welch hohem Niveau sich das Vokalensemble Dilettanti bewegt: Vom verhalten, aber artikuliert interpretierten Piano-Beginn der Frauenstimmen im «Kyrie eleison» bis zu den Fortissimo-Passagen des Gesamtchors zeigte sich die musikalische Präsenz des Chores in allen Facetten, souverän, einfühlsam und brilliant begleitet durch die Pianistin Claudia Dischl und das Streichquintett der Sinfonietta Vorarlberg.

Hohes musikalisches Niveau zeigten anschliessend die aus Eschenbach stammende Flötistin Caroline Morger und Claudia Dischl am Cembalo in John Rutters (* 1945) «Suite Antique». Rutter hatte diese Suite 1979 – inspiriert von Joh. Sebastian Bachs Brandenburgischen Konzerten – als Komposition «im alten Stil» für Flöte, Cembalo und Streicher geschaffen. Die gegenseitige Einflussnahme von Barock und «Jazz-Touch» ist deshalb in allen sechs Sätzen auch stets deutlich spürbar. Selbst in den schwierigsten Passagen war bei den Solistinnen die interpretative Virtuosität wie auch die Begeisterung für das Werk omnipräsent.

Das als Abschluss des Abends interpretierte «Hope of Loving» von Jake Runestad (* 1986) für Chor, Piano, Querflöte und Streicher basiert auf Versen aus Daniel Ladinskys “Love Poems from God”, welche Dirigent Max Aeberli jeweils als Einstimmung auf die entsprechenden Sätze vorgängig zitieren liess. Und noch einmal zeigten darin Chor und Orchester ganz grosses Können, was das Publikum mit langanhaltendem, ‘stehendem’ Applaus belohnte.

U. Friedländer


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.